Antwort von Herrn Watzke auf unseren offenen Brief zum Spiel BVB-RBL und unser Statement dazu

Update:

So eben haben Dr. Reinhard Rauball und Hans-Joachim Watzke (beide BVB) sowie Ralf Rangnick und Oliver Mintzlaff (beide RBL) eine gemeinsame Erklärung heraus gegeben, in der sie u.a. eine Versachlichung der Beziehung beider Vereine auf Führungsebene und eine intensivere Kommunikation untereinander ankündigten.

http://www.dierotenbullen.com/neuigkeiten/Saison_2016_17/Gemeinsame-Erklaerung-BVB-und-RBL.html

 

Antwort von Herrn Watzke auf unseren offenen Brief zum Spiel BVB-RBL und unser Statement dazu

Unser offener Brief an Hans-Joachim Watzke zu den Ausschreitungen rund um das Spiel BVB – RBL hat bundesweit hohe Wellen geschlagen. Unser Ziel war es durchaus, Aufmerksamkeit zu erregen. Über das Ausmaß sind wir dann doch überrascht. Vom „Journal Mallorca“ bis zur Online-Ausgabe der FAZ, von Sport 1 bis zum RTL-Nachtjournal verging insbesondere am Montag kaum ein Artikel, in dem unser Schreiben nicht zitiert wurde. Wir freuen uns, dass uns Herr Watzke inzwischen persönlich geantwortet hat.

In seinem Schreiben drückt er unter anderem sein Bedauern aus und sicherte voll umfängliche Aufklärung zu. In Bezug auf unsere konkret an ihn persönlich gerichteten Vorwürfe  weist er unter anderem entschieden zurück, dass er „durch respektloses Verhalten ‚Hass’ und ‚Gewaltpotenzial’ gegen Fans und Verantwortliche von RB Leipzig geschürt“ habe. „Ich habe, ganz im Gegenteil, in den zurückliegenden Wochen und Monaten wiederholt meine Anerkennung und meinen großen Respekt vor der Leistung von Ralf Rangnick und Ralph Hasenhüttl bekundet.“ Weiter schreibt Hans-Joachim Watzke: „Ich habe darüber hinaus mehrfach betont, dass ich mich freue – und zwar für den deutschen Fußball wie vor allem für die Menschen in ihrer Region -, dass es in den ostdeutschen Bundesländern wieder Fußball auf Topniveau gibt. Ich habe, auch das gehört zur vollen Wahrheit, zur Entstehung und Werdegang von RB Leipzig kritische Anmerkungen gemacht. Dazu stehe ich – und mit Verlaub: Das muss auch möglich sein. Klubverantwortliche, ganz gleich ob von Borussia Dortmund oder RB Leipzig, müssen in öffentlichen Diskussionen ihre Meinung einbringen dürfen. Das ist das Wesen der Demokratie und kann unmöglich dazu führen, dass man mit dem Vorwurf konfrontiert wird, ‚Hass’ und ‚Gewaltpotential’ zu schüren.“

Selbstverständlich hat Herr Watzke nicht persönlich zu Gewalt und Hass aufgerufen. Selbstverständlich soll Kritik in einem sachlichen Rahmen an RB Leipzig, bezüglich der Kommerzialisierung im Fußball allgemein und bezüglich der Strukturen der Borussia Dortmund GmbH & Co. KgaA auch künftig möglich sein. Es kommt dabei aber auch auf das „wie“ an. Genügend Beispiele, die als eine gewisse Respektlosigkeit verstanden werden können, wurden in der medialen Aufbereitung der Ereignisse bereits benannt, unter anderem: „Rasenschach“ oder „Performen einer Dose“. Auf der vergangenen ordentlichen Hauptversammlung der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA beispielsweise konnte man von Herrn Watzke vernehmen: „Alle 150 Mitglieder von RB Leipzig können jetzt beruhigt den Livestream ausmachen, weil ich werde dazu heute nichts sagen. Wir haben jetzt Versammlungen.“ „Es gibt jetzt zwei Tage Feuerpause, danach geht es weiter.“ Und das stets mit einem süffisant-ironischen Unterton. Nach dem Sieg gegen den FC Bayern München war von ihm zu vernehmen: „Die müssen in der Rückrunde noch bei uns spielen. Die werden hier was erleben.“ Freilich war das eher auf den sportlichen Aspekt gemünzt, kann aber auch missverstanden werden.

In unserem offenen Brief kritisierten wir ferner den mangelnden Respekt, den die Leitung der Borussia dem Verein RB Leipzig entgegen bringt. Das betrifft vor allem das Abweichen seitens Borussia Dortmund von bestimmten Gepflogenheiten vor dem Gastspiel in Leipzig, die im Umfeld von Bundesligaspielen offenbar unter den Vereinen üblich sind, unter anderem ein gemeinsames Essen der Vereinsführungen. Unserer Meinung nach haben Personen in Führungspositionen, insbesondere bei solch großen Vereinen wie Borussia Dortmund, eine Vorbildfunktion gegenüber ihren eigenen Anhängern, was den fairen, sportlichen und respektvollen Umgang mit dem Gegner angeht. Wenn von solchen Gepflogenheiten bei einem Verein abgewichen wird, dem von verschiedenen Seiten das Existenzrecht abgesprochen wird, wird damit unserer Meinung nach ein wohl kalkuliertes Signal an die eigenen Anhänger gesandt. Dass der BVB vor seinem Gastspiel in Leipzig das Ansinnen RB Leipzigs ablehnte, einen gemeinsamen Begegnungsschal anzubieten – geschenkt.

Hinzu kommt unserer Ansicht nach, dass es im Vorfeld des Spiels keine Anzeichen seitens des Klubs gab, abkühlend und beschwichtigend zu wirken und es offenbar Fehleinschätzungen in den Sicherheitsbesprechungen zwischen Polizei und Klub gegeben hat, was insbesondere angesichts der Zusammensetzung der Fanszene des BVB überrascht. Dass im Stadion Plakate und Banner zur Schau gestellt werden sollen, war bereits im Vorfeld zu lesen. Dass der Inhalt dieser nicht freundlich sein wird, war vorauszusehen. Und dass die Inhalte unterhalb des Zitierbaren gehen würden, war nach Ereignissen bei Gastspielen von RBL in Aue und Dresden auch nicht völlig unerwartet. Auch hier trägt Borussia Dortmund, und damit auch Herr Watzke, Verantwortung dafür, dass diese überhaupt ins Stadion gelangen und der Öffentlichkeit präsentiert werden konnten.

Wir freuen uns auf das nächste und vor allem friedliche Auswärtsspiel in Dortmund.

Mit rot-weißen Grüßen,

die Bornaer Bullen.

Borna, 09.02.2017

 

 

 

Offener Brief des Offiziellen Fanclubs des RB Leipzig, die „Bornaer Bullen“

 

An den Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA,
Hans-Joachim Watzke persönlich

 

Sehr geehrter Herr Watzke,

Wir „Bornaer Bullen“ sind nicht nur auf Grund fehlender sportlicher Perspektiven der Leipziger „Traditionsvereine“ Fans des RB Leipzig, sondern auch, weil die Fankultur des RB Leipzig für einen friedlichen und respektvollen Umgang mit den eigenen und gegnerischen Fans steht. Gegnerische Fans stoßen in unserer Red Bull Arena durchaus auch auf Ablehnung, jedoch werden Sie von uns Fans respektvoll und ohne Hass empfangen. Selbst erkennbare Fans von Eintracht Frankfurt, die sich in den Fanblock verirrt haben, kommen heil wieder raus. Hassgesänge der Gästefans werden (selbst-)ironisch beantwortet und nicht durch Hass.

Sie stehen persönlich zumindest moralisch für Gewalt- und Hassexzesse Ihrer Anhänger gegenüber den RB Leipzig-Fans. Sie schüren öffentlich Hass in Bezug zu RB Leipzig, in Ihrem respektlosen Verhalten gegenüber der Führung und Anhänger von RB Leipzig.

Wir Fans kamen uns vor wie Schlachtvieh, begleitet von zerfleischenden Tieren und applaudierenden Traditions Fans, die zum Schlachthof getrieben werden!

Fehlendes Sicherheitskonzept

Wir sind mit dem Fansonderzug mit über 1000 friedlichen Leipzigern angereist (übrigens stand der Kommerz schon auf dem Fahrtzielanzeiger am Leipziger Hbf, „Do. Signal-Iduna-Park“). Bereits beim Erreichen des Bolmker Wegs fühlten wir uns nicht sicher, es fehlte an ausreichendem Sicherheitspersonal der Polizei. Bereits bis zur Strobelallee sind wir Fans bepöbelt, bespuckt und mit Dosen beworfen worden. Auf der Strobelallee wurde der gesamte Fanzug von links und rechts bespuckt, mit Dosen, Ketchupflaschen, Farbbeuteln und Leuchtraketen beschossen. Es gab persönliche tätliche Übergriffe Ihrer Anhänger. Die Polizei war unterbesetzt. Ein Sicherheitskonzept zwischen Ihrem Club und der Polizei gab es offenbar nicht. Sämtliche Übergriffe gingen nicht nur von Ihren „Problemfans“ aus, sondern von fast ALLEN Fans Ihres Traditionsclubs entlang der Strecke.

Wir „Bornaer Bullen“ fühlten bereits im Stadion Unsicherheit, wie wir wohl heil nach dem Spiel den Hauptbahnhof und unseren Sonderzug erreichen werden, da wir uns nicht sicher waren, ob es ausreichend Schutz für uns geben wird. Es fehlte von Seiten Ihres Vereins an genauen Angaben, wo wir auf welche Weise genau den Hbf erreichen werden. Gibt es Sonder-U-Bahnen und wo werden sie abfahren? Keine Informationen Ihres Vereins. Warum wir nach Abpfiff noch 15 Minuten ausharren sollten ist uns nicht ganz klar. An vorzubereitenden und angemessenen Sicherheitsmaßnahmen wird es nicht gelegen haben. Wir waren im Anschluss genauso schutzlos ausgeliefert, wie auf dem Hinweg. Auch hier gab es Ausschreitungen, Übergriffe und Diebstähle des Hab und Guts.

Fans allen Alters, Familien, deutlich nicht so gekleidet wie es gewaltbereite Fans und Ultras sonst sind, wurden angegriffen. Wie gesagt: Von „normalen Fans“ Ihres Clubs.
Keine ausreichende Absicherung des U-Bahnhofs, keine ausreichende Absicherung des Gangs von der U-Bahn zum Zug.Sie persönlich sind verantwortlich für den Hass, der uns entgegen schlug! Sie persönlich schüren unter den Fußballanhängern nicht nur Rivalität und Abneigung, sondern Gewaltpotential.

 

Doppelmoral

Dass Sie bzgl. Gewaltausbrüchen und Kommerz im Fußball offenbar mit Doppelmoral unterwegs sind, ist ein Skandal sondersgleichen.
Sie sind Chef eines Clubs, der als Leuchtturm des deutschen und internationalen Fußballs gelten will. Sie persönlich zeigen, wie „Tradition“ geht. Ihr öffentliches Verhalten trägt lediglich zum besseren Performen der Marke „Tradition“ bei, zum wachsenden Absatz der Produkte der Borussia Dortmund Aktiengesellschaft sowie zum „Fishing for Compliments“ bei Ihrer Zielgruppe.
Sie und Ihre Fans sind das, was man mit Geld nicht kaufen kann? Wie kann man denn Aktien Ihres Unternehmens erwerben?

Herr Watzke, übernehmen Sie öffentlich persönlich die mindestens moralische Verantwortung für die Gewaltexzesse hunderter Ihrer Fans gegenüber den friedlichen 8000 Leipziger Fußballfans!

Überdenken Sie Ihr Sicherheitskonzept und die Art und Weise der Kommunikation Ihrer Gästefanbetreuung mit der Fanbetreuung der Gastmannschaft! Überdenken Sie die Informationen, wie Gästefans zu Ihrem Sonderzug kommen sollen! Es gab nämlich KEINE Informationen, lediglich Polizisten haben uns nach Irrwegen aufgeklärt.

Überdenken Sie, ob Sie sich öffentlich gegenüber RB mäßigen und künftig ein Mindestmaß an Respekt und Fairness walten lassen! Überdenken Sie Ihre Vorbildfunktion gegenüber dem eigenen Anhang!

Sie werden keine Spruchbänder in unserer Arena sehen auf denen steht:

“ Watzke aufhängen“, oder „Pflastersteine auf Dortmund Fans!!“

Wir Fans von RB Leipzig haben Respekt und Achtung vor Menschen anderer Fan Gruppierungen

Wir „Bornaer Bullen“ sind nach diesem Abend konsterniert, erschrocken, teilweise auch traumatisiert. Wir sind nach diesem Abend einmal mehr stolz, dass wir Teil einer neuen Fankultur sind, die Gewalt, Exzesse und Hass ablehnt. Dinge, die wir jahrzehntelang in Leipzig seitens Chemie Leipzig und auch Lok Leipzig erlebt haben.

Versprechen Sie vor laufenden Kameras, dass wir Fans des RB Leipzig beim nächsten Gastspiel in Dortmund sicher und gesund von Parkplätzen und Sonderzug zum Stadion und wieder zurück kommen! Sorgen Sie persönlich dafür, dass dies auch so umgesetzt wird. Stehen Sie persönlich für dieses Desaster vor laufenden Kameras ein! Und belassen Sie es nicht nur bei einer halbherzigen und unehrlichen Distanzierung von den gewaltbereiten Fans aller Colouer des BVB!

 

Herr Watzke,

Sie haben persönlich Hass gesäht. Und Ihr Club wird wohl leider der erste Club sein, der in der Red Bull Arena von uns Fans mit herzlicher Ablehnung empfangen wird. Sie persönlich sind verantwortlich dafür, dass es in der kommenden Saison mindestens ein Hochsicherheitsspiel mehr geben wird und immense Kosten auf die öffentlichen Kassen durch einen massiven Polizeieinsatz in Leipzig zukommen werden!

Anhänger und Sympathisanten des BVB unter den RB-Fans werden mit Sicherheit nach diesem Horrortrip nach Dortmund weniger geworden sein.

 

Mit rotweißen Grüßen der „Bornaer Bullen“,
einem Fanclub mit rund 130 Mitgliedern, davon viele Familien mit Kindern

Borna, 05.02.2017